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Best.Nr.: 782 "Der Bromberger Blutsonntag" 


Eine Dokumentation zur Deutschenverfolgung in Polen vor und am Beginn des II. Weltkrieges; 208 Seiten, div. Abbildungen, Format 14 x 20,5 cm, kartoniert. € 19,90
 


In den letzten Augusttagen 1939 und unmittelbar nach Kriegsbeginn am 1. September wurden Tausende von Volksdeutschen in den von Polen 1918/19 okkupierten deutschen Siedlungsgebieten verschleppt und ermordet. Zum größten Einzelpogrom kam es dabei am 3. und 4. September in und um Bromberg. Allein hier waren mehr als 1000 Deutsche Opfer dieser Verbrechen geworden.

Vor der Eroberung der Stadt Bromberg in Westpreußen, durch die Rote Armee am 23. Januar 1945, gelang es einem Redakteur der "Bromberger Rundschau" Teile des Archivs dieser Zeitung zu retten. Mit der Verpflichtung diese Dokumente zu veröffentlichen, wurde unserem Verlagsarchiv dieser Nachlaß übergeben.

Jahrzehntelang konnten sich Darstellungen erhalten, die nicht dem tatsächlichen Geschehen im August und September 1939 entsprachen. Diese Dokumentation zum Bromberger Blutsonntag beinhaltet erstmals, nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlichte, faksimile Presseberichte der "Bromberger Rundschau", einer deutschen Zeitung in Polen (bis zum 6. September 1939) und dem folgend einer deutschen Zeitung in Westpreußen, im früheren polnischen Korridor.

Unter anderem enthalten sind die Berichte zur polnischen Mobilmachung vom 30./31. August 1939. Also amtliche polnische Anordnungen in deutscher Sprache, die damit "Fehlinterpretationen" entzogen sind. Diese Mobilmachung, vor dem deutschen Angriff, in Erwartung dessen, wird in der opportunen Geschichtsschreibung derzeit noch vehement bestritten oder ignoriert. Der Grund liegt in der Qualifizierung des deutschen Angriffs als Überfall auf Polen. Ein Überfall ist jedoch, nicht nur im Strafrecht, ein unvorhergesehener Angriff, auf den sich der Angegriffene nicht rechtzeitig einstellen kann.


Aus den Dokumenten:

 

Bild oben: Unbekanntes weibliches Mordopfer mit zerschlagenem Gesicht und Schädel

Bild unten: Unbekanntes männliches Mordopfer. Gräßlich zu Tode gequält: Arme ausgedreht, Zunge herausgerissen , Augen ausgestochen.

 

 

Agenturmeldung aus Polen vom Oktober 2003

Das Geschehen zum Bromberger Blutsonntag soll geklärt werden.

Nach einem Bericht der Warschauer Zeitung "GAZETA WYBORCZA" vom 19. Oktober 2003 sollen polnische Historiker nach nunmehr fast 65 Jahren die Grundfrage klären, ob die Deutschen am 3. September 1939 selbst eine Aktion hinter der Front durchgeführt, oder ob Polen aus Rache für den Überfall Hitlers ein Blutbad unter ihren deutschen Nachbarn angerichtet haben.

Noch bis vor kurzem gab es keine öffentlichen Kontroversen in Bezug auf die Geschehnisse vom 3. und 4. September 1939 in Bydgoszcz (Bromberg). Polnische Historiker sprachen einstimmig von einer organisierten Aktion der Deutschen. Danach hatte das polnische Militär und zur Unterstützung die Bürgerwehr im Rahmen von Verteidigungshandlungen die "Diversanten" vernichtet, und jeder Deutsche, der am 3. September in Bromberg ums Leben gekommen ist, sei mit der Waffe in der Hand getötet worden. Auch die meisten renommierten deutschen Historiker sprachen von NS-Propaganda um die Geschehnisse von Bromberg. Nur einige pseudowissenschaftliche Publikationen, die dem rechtsradikalen Spektrum zuzuordnen sind, schilderten überzeugt, daß die Polen ihre deutschen Nachbarn überfallen und viele von ihnen ermordet haben.

Professor Wlodzimierz Jastrzebski von der Akademia Bydgoska (Bromberger Akademie) ist der erste polnische Historiker der dieser bisher geltenden Geschichtsdarstellung entgegen tritt. „In der Stadt gab es keine deutsche Diversion, dafür gab es aber Repressionen und Exekutionen, denen Bromberger Deutsche zum Opfer fielen.”

Die Gazeta Wyborcza, eine der größten polnischen Tageszeitungen, veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 13. August das vollständige Interview mit Professor Jastrzębski über jene Ereignisse, vom 3. und 4. September 1939 in Bromberg. Das Interview, sorgte für Aufsehen und Empörung in Polen.

Das Interview von Professor Jastrzębski ist vor allem auch deshalb bemerkenswert, weil er selbst noch in den 80er Jahren ein Buch unter dem Titel Diversion oder Massaker? zu diesem Thema veröffentlichte und darin, obgleich er den Titel mit einem Fragezeichen versehen hatte, die These von der „deutschen Diversion in Bromberg” vertreten hatte. Heute stellt er fest, daß es keinerlei Beweise dafür gibt, daß angebliche deutsche Diversanten auf sich zurückziehende polnische Militäreinheiten oder gar die polnische Zivilbevölkerung geschossen haben.

Professor Jastrzębski schließt nicht mehr aus, daß an diesen Aktionen auch die sogenannte „Blaue Legion" des polnischen Generals Jozef Haller beteiligt war. *

Stimmen der Vernunft gab es nur wenige. Jastrzebski verweist auf das belegte Schicksal des Polen Brunon Pulkowski: der sich an den Liquidierungen nicht beteiligen wollte und sich schützend vor die zur Erschießung aus den Häusern geschleppten Deutschen stellte -- er wurde zusammen mit diesen erschossen.

Wie viele Deutsche aus Bromberg und Umgebung insgesamt bei diesem Geschehen der ersten Kriegstage ums Leben kamen, läßt sich nicht beziffern.

Hugo Rasmus - ein gebürtiger Bromberger - hat eine Liste der in der Stadt Bromberg getöteten Deutschen erstellt. Diese Liste enthält die Namen von 358 Personen, darunter 39 Frauen und 55 ältere Menschen. Ein studentischer Mitarbeiter von Prof. Jastrzebski verglich diese Liste mit dem kommunalen Einwohnerverzeichnis von 1939 und stellte fest, daß alle genannten Personen zu dieser Zeit Einwohner Brombergs waren, später jedoch nicht mehr erfaßt sind. Dies ist - so unterstreicht Prof. Jastrzębski - keine deutsche Propaganda, sondern die schreckliche Wahrheit.

Nicht berücksichtigt sind dabei die Toten der umliegenden Dörfer Brombergs. Realistisch dürften die Zahlen Bernhard Lindenblatts sein, der von „mehr als 1000 Deutschen" schreibt, die an diesem 3. September in und um Bromberg umkamen.

Am Tag nach dem Interview Jastrzebskis erklärte der Vize-Chef des einflußreichen Instituts für Nationalgedenken (IPN**), Janusz Krupski, in der Gazeta Wyborcza, „daß das polnische Bild vom Blutsonntag heute nicht mehr haltbar sei.“ Krupski kündigte bereits inoffiziell an, daß sich das IPN der Sache annehmen werde, was bedeuten dürfte, daß das IPN wohl eine weitere - nun schon die dritte - Untersuchung dieser Angelegenheit anordnen wird.

"Wir müssen die Wahrheit erforschen. Noch kann man vieles unternehmen, um diese Geschehnisse endgültig aufzuklären", sagte Pawel Machcewicz, Leiter der Bildungsabteilung des Institutes für Nationales Gedenken. Dabei handelt es sich vor allem um die Untersuchungen der Archive in Deutschland und in Rußland, wo sich die noch nicht vollständig bearbeiteten deutschen Dokumente befinden, darunter auch die Akten der damaligen deutschen Abwehr.

Bislang kam es in Polen zu zwei Untersuchungen zum Geschehen in und um Bromberg; eine fand in den 40er Jahren, die zweite in der 60er Jahren statt -- und beide bestätigten die polnische Version jener Geschehnisse, wobei IPN-Vize-Chef Krupski vorsichtig einräumt, „... daß diese nicht ohne gewisse Fehler waren.“ Darauf, um welche Art von Fehlern es sich gehandelt hatte, ging Krupski nicht näher ein.

Das IPN wird ein Team von Historikern aus ganz Polen zusammenstellen. Auch Professor Jastrzebski möchte an dieser Untersuchung persönlich teilnehmen. Zu diesem Team werden jedoch keine deutschen Historiker gehören.

Anmerkung der Redaktion:

*Der polnische General Haller begründete seinen Ruf unter anderem auch mit der Teilnahme an den oberschlesischen „Aufständen" 1921, Hallers Soldaten zeichneten sich dabei durch besonders brutale Verbrechen aus.

**Das IPN hatte auch den Fall von Jedwabne neu aufgerollt und dabei die geltende Geschichtsschreibung von den deutschen Tätern widerlegt.

 

 


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